Stellungnahme Rassismus

 

 

Bei einer Diskussion von Privatpersonen auf unserer Facebook-Seite zur Eröffnung der neuen Räumlichkeiten kam es zu rassistischen Äußerungen und Verletzungen. Wir möchten uns an dieser Stelle dafür ausdrücklich entschuldigen. Ferner möchten wir mit dieser Stellungnahme auf die Anfrage, wie viele POCs, Schwarze, Roma im Team arbeiten, reagieren. Die Stellungnahme ist aus einer weißen Perspektive verfasst und der Versuch, Haltungen von einzelnen Personen in einem Text zu vereinen. Dies bedurfte einer längeren Auseinandersetzung und Selbstreflexion.

Das derzeitige Team von Lambda Berlin-Brandenburg e.V. besteht vorrangig aus ehrenamtlich tätigen Jugendlichen (u.a. Landesvorstand, Landesbeirat, Gruppenleiter_innen), welche Unterstützung durch ein demgegenüber recht kleines Team aus hauptamtlich tätigen Fachkräften erhält. Dieses hauptamtliche Team aus Fachkräften setzt sich wiederum interdisziplinär aus verschiedenen Fachbereichen wie der Sozialen Arbeit, der Pädagogik, der Psychologie, des Lehramts sowie der Sozialwissenschaften und -wirtschaft zusammen. Es sind unter anderem Menschen verschiedenen Geschlechts, unterschiedlicher sexueller Identität, Menschen mit Migrationsgeschichte und körperlichen Beeinträchtigungen vertreten. Dabei gibt es weder unter unseren hauptamtlichen Mitarbeiter_innen noch im Landesvorstand POCs, Schwarze oder Roma. Alle sind weiß. Wir stellen uns daher die Fragen, warum das derzeitig so ist und wie wir das ändern können.

Neben Menschen, die sich kontinuierlich und dauerhaft an Angeboten von Lambda beteiligen, hat Lambda auch einen hohen Durchlauf an Nutzer_innen, welche unsere Strukturen teilweise nur wenige Male nutzen. Unsere Nutzer_innen verfügen über unterschiedliche Erfahrungen zu queeren Themen, sowie Rassismus oder Diskriminierung im Allgemeinen. Wir sehen deshalb einen Bildungsauftrag bei unserem Verein. Wir haben bewusst offene, selbstverwaltete, partizipative Strukturen. Wir sind mit einer Altersbegrenzung von 27 Jahren ein Jugendschutzraum. Es ist uns wichtig, dass Vorgaben und Haltungen nicht nur von unserem Vorstand ausgehen, sondern dass diese auch von unseren Nutzer_innen akzeptiert und gelebt werden. Hierzu bedarf es aus unserer Sicht einen niedrigschwelligen Zugang zu den genannten Themen. Es ist unser Ziel, Jugendliche auf ihrem Wissensstand abzuholen und inhaltlich aufzufangen sowie zu begleiten. Insbesondere Diskriminierungsformen wie „struktureller Rassismus“, „weiße Abwehrstrategien“ und „Silencing“ müssen Jugendlichen verstehbar und nachvollziehbar gemacht werden, um selbige aufzudecken und demgegenüber zu sensibilisieren. Eine keinesfalls zu vernachlässigende Aufgabe, der sich Lambda Berlin-Brandenburg ausdrücklich annimmt. Wir sehen dies nicht als einmalige Handlung, sondern gerade vor dem Hintergrund der sich ständig wechselnden Nutzer_innen als kontinuierlichen Prozess. Nicht nur das Lambda-Team, sondern auch einige Ehrenamtliche haben sich zu Mehrfachdiskriminierung fortgebildet. Ferner sind wir in Netzwerken zu diesen Themen aktiv. Es ist unser Ziel, Themen wie Ableism, Rassismus, Adultismus etc. nicht nur als Querschnittsaufgabe zu betrachten, sondern weiterhin sowie zukünftig verstärkt zu diesen Themen zu arbeiten.

Doch hat unter anderem die Facebook-Diskussion gezeigt, dass selbstreflexiver Auseinandersetzung mehr Raum gegeben werden muss. Wir nehmen die dort geäußerten Kommentare sehr ernst und haben uns deshalb entschlossen, zunächst ein Sonderplenum zum Thema Rassismus zu veranstalten, welches einen Sensibilisierungsworkshop im Vorfeld beinhaltet. Wir möchten hier die Diskussion noch einmal aufgreifen sowie weiterführen und halten Facebook nicht für den geeigneten Raum, um weiter zu diskutieren. Uns ist es wichtig, erneute Verletzungen zu vermeiden.