Auf dieser Seite wollen wir Dir einen etwas umfangreicheren Einblick in die Chronik des Jugendnetzwerk Lambda Berlin-Brandenburg e.V. geben.
Es ist ein Jugendnetzwerk - Die Gründung
Am Sonntag, den 19. August 1990 wurde in Ostberlin im Klub der Volkssolidartät, Wilhelm-Pieck-Straße 102, O-1040 Berlin der Landesverband Berlin des "Jugendnetzwerkes Lambda" gegründet. Er war der erste Landesverband des zuvor im Mai 1990 ebenfalls in Berlin gegründeten landesweiten Jugendnetzwerk Lambda (der heutige Bundesverband) und zugleich der letzte in der DDR gegründete Landesverband, denn nicht einmal zwei Monate später hörte die DDR auf zu existieren. Eine der ersten Maßnahmen des neuen Landesverbands war die Mitgliedschaft im Landesjugendring Berlin, die am 26. November 1990 beantragt wurde. Lambda Berlin hatte für ersten Monate seinen Sitz im Sonntags-Club. Erst 1991 zog der Landesverband in das Kommunikations- und Beratungszentrum "ROLU 14" in der Rosa-Luxemburg-Straße 14 in Berlin-Mitte.
Die Gründungsmitglieder:
AG Homosexualität "COURAGE" e.V.
Sonntags-Club e.V.
Köpenicker Treff
Die ersten Vorstände:
Ralf Sagner
Eike Stedefeldt
Ralph Hose
1992 - 1998 Ackerstraße 12/13
Mit dem Umzug in neue Räume in der Ackerstraße 12/13 in Berlin Mitte hatte der Landesverband für die nächsten Jahre sein Domizil gefunden. In dieser Zeit enstanden viele Aktionen und Projekte bei Lambda, die z.T. bis heute existieren. Dies war auch die erste Blütezeit des Landesverbands in einem Berlin, die den Jugendverbänden zu jener Zeit eine gute und solide Finanzierung gewährt hatte. Unter anderem entstanden in dieser Zeit folgende Projekte:
Schwullesbische Bibliothek - seit 1991 und bis heute bei Lambda
Aufklärungsprojekt - Seit 1992 bei Lambda und seit 2005 bei ABqueer e.V.
Ackerkeller - schwullesbische Disko, Café
Beratungsprojekt - startete 1995 unter der Bezeichnung Warm & Kess. Inzwischen als die Bundesweite Lambda-Jugendberatung In&Out bekannt.
Gleich & Gleich - seit 1996 betreutes Wohnen für lesbische, schwule, bisexuelle und transgender Jugendliche
Daneben gab es eine Reihe von Jugendfreizeitgruppen, das Lambda-SommerCamp und verschiedene internationale Kooperationen. Der Landesverband ist außerdem seit 1992 Mitglied bei IGLYO.
1998 - 2001 Lambda zieht nach Friedrichshain
Wieder ein Umzug in der kurzen Geschichte von Lambda. Die Räume in der Ackerstraße wurden zu klein und man entschließt sich, in neue Räume zu ziehen. Für die nächsten sechs Jahre wird die Kopernikusstraße 23 der Sitz des Jugendnetzwerk Lambda Berlin e.V. sein. Gleichzeitig trennen sich die Wege von Lambda und dem Ackerkeller, der weiterhin in der Ackerstraße bleibt. Lambda hingegen entwickelt in der Kopernikusstraße neue Kräfte, Ideen und Projekte. In dieser zweiten Hochphase entstehen viele neue Aktivitäten:
www.lambda-berlin.de - 1998 geht unsere Webseite an den Start.
Café Grünberg - seit 1998. Der Versuch ein kommerzielles Café zu betreiben, scheiterte nach einem Jahr an fehlender Wirtschaftlichkeit. Nichtsdestotrotz wird die Café-Idee in den folgenden Jahren immer wieder für leidenschaftliche Debatten sorgen.
Lambda hoch Zwei - seit September 1999. Ein Projekt für junge Lesben und Schwule mit Behinderung an deren Ende die Studie "Doppelt Anders" von Silke Rudolph veröffentlicht wird. Das Projekt setzt bis heute Maßstäbe in diesem Bereich
EQUAL first - Ein EU-Projekt mit dem Ziel alle Europäischen Jugendprojekte, die Schulaufklärung zu LesBiSchwulen Lebensweisen anbieten zu veröffentlichen. Im Rahmen dieses Projektes wurden sog. Kits, also Fortbildungsmappen angefertigt.
Warm&Kess wird In&Out und erhält das für In&Out lange Zeit typische Logo in Anlehnung an das damalige neue Lambda-Logo.
Junxgruppe - gründet sich 1999. Die Gruppe ist bis heute ein beliebter Treffpunkt für schwule Jungs bei Lambda.
Freitags-Mädchen-Gruppe - gründet sich ebenfalls 1999 und wird später unter der Bezeichnung Grätchengruppe zu einem der Schlager unter der Lambda-Freizeitgruppen.
Deti Radugi - seit 2000 gibt es Freizeitgruppe für russischsprachige Jugendliche unter dem Titel Deti Radugi - Kinder des Regenbogens.
s/he - Transberatungsprojekt - Erstmals wird bei Lambda 2001 ein Transgender-Jugendberatungstelephon ins Auge gefaßt. Später wird inbetween als Projekt diese Aufgaben übernehmen.
JugendInfoCafé iF - seit 2001 soll das JugendInfoCafé iF allen Jugendlichen mit als offener Jugendbereich zur Verfügung stehen. Das Café bietet neben Kaffee und Getränken, der Bibliothek und einem Switchboard die Möglichkeit kostengünstig im Internet zu surfen. Das Café wird in den folgenden Jahren eine wichtige Rolle im Jugendnetzwerk Lambda Berlin-Brandenburg erhalten.
2001 - 2004 Aus Lambda Berlin wird Lambda Berlin-Brandenburg
Mit der geplanten, gescheiterten und immer wieder in Gespräch gebrachten Fusion von Berlin und Brandenburg machte man sich auch bei Lambda Gedanken, ob es nicht sinnvoll sei für beide Bundesländer da zu sein. Gleichzeitig kamen immer mehr Jugendliche aus Brandenburg zu den Freizeitgruppen, sodaß wir letztlich den Veränderungen Rechnung trugen. Am 17. März 2001 wurde aus dem Landesverband Berlin des Jugendnetzwerkes Lambda e.V. das Jugendnetzwerk Lambda Berlin-Brandenburg e.V. In den folgenden Jahren werden die finanziellen Spielräume knapper. Dennoch sind auch die Jahre 2001 - 2004 sehr erfolgreich. Unter anderem durch folgende Projekte:
TimeShaker - Die Jugendfreizeit-AG ist aktiv in der Gestaltung von Freizeitaktivitäten, wie Tages- und Wochenendfreizeiten, sowie Kultur- und Szeneaktivitäten in Berlin. Das Label wird seit 2006 wieder für Freizeiten verwendet.
Run-A-Way - Eine neue Jugendfreizeitgruppe gründet sich 2001 bei Lambda. Zielgruppe sind schwule Jungs und junge Männer bis 26. Die Gruppe wird bis Anfang 2005 existieren.
In&Out - Durch eine Kooperation mit dbna wird In&Out bundesweit bekannt. Seit der Aufschaltung eines Kontaktformulars für Beratungsanfragen werden die BeraterInnen förmlich mit Anfragen überrannt.
Lambda Card - Es wird ein Konzept für die sog. LambdaCard vorgestellt. Gedacht ist eine Rabattkarte für die schwullesbische Szene. Dieser gute Vorschlag wird leider nie umgesetzt werden.
Café iF - Nach maßgeblichen Konzeptänderungen kommt das Café in Schwung. Anfang 2002 wird die Partyreihe iF-WarmUp gestartet, die künftig regelmäßige Motto-Partys anbieten wird. Bis zur Schließung 2004 werden die Partys im iF maßgeblich zum Bild des Jugendnetzwerks beitragen.
Lambda Bildungsteam teach::out - Das zweite Teilstück der Aufklärungsarbeit wird bei Lambda gegründet. Teach Out wird künftig die Frotbildung von LehrerInnen und Fachkräften der Jugendarbeit übernehmen und damit das Aufklärungsangebot vervollständigen. Das Projekt wird später mit ABqueer ziehen.
2004 - 2006 - Die bleierne Zeit.
Zum 1. Oktober 2004 muß das Jugendnetzwerk nach zweiwöchiger Kündigungsfrist aus seinen Räumen in der Kopernikusstraße 23 ausziehen. Die finanzielle Situation hatte sich inzwischen so dramatisch entwickelt, daß eine Insolvenz des Landesverbands zu befürchten war. Der Schuldenstand war immens und so war die einzige Möglichkeit Lambda zu retten, ein sofortiger Auszug und die Einstellung vieler Projekte. Lambda fand eine Übergangsbleibe im Kinderring in der Schwedter Straße in Prenzlauer Berg. Die Jugendgruppen konnten zum Teil erhalten werden. Dennoch lösten sich einige Gruppen und Projekte auf. Das Café iF mußte geschlossen werden und ohne Räume war eine Wiederaufnahme dieses Projektes aussichtslos. Gleichzeitig konnte in den Übergangsräumen nur eine Minimalanforderung an Strukturen verwirklicht werden. Nach einer intensiven Aufarbeitung der finanziellen Gegebenheiten waren wir uns zu Jahresbeginn 2005 sicher, daß der Verband zu retten sei. Anfang 2005 gründete sich ABqueer e.V. und vereinte das Aufklärungsprojekt, das Bildungsteam, In&Out und inbetween unter einem Dach. Bei Lambda verblieben die restlichen Jugendgruppen sowie das Café-Team, daß sich 2005 mit dem HomoMovie-Projekt, einer schwullesbischen Filmreihe, eine neue Betätigung suchte. 2005 war eines der schwersten Jahre in der Geschichte von Lambda. Zwar war unsere Finanzierung gesichert, doch stand nach dem Wegfall der Aufklärungsarbeit zur Debatte, welches Spektrum Lambda zukünftig haben würde. Mit dem Umzug in die Straßmannstraße 25 in Friedrichshain war zunächst die Grundlage für eine Zukunft mit Lambda in Berlin wieder hergestellt. Es sollte fast zwei Jahre dauern bis das Jugendnetzwerk wieder zu größeren Projekten fähig war. 2006 konnten wir mit einem behutsamen Neuanfang beginnen. Zunächst mit noch zehn verbliebenen EhrenamtlerInnen. Mitte 2006 stieß das Beratungsprojekt In&Out wieder zu Lambda, nachdem das Projekt aufgrund von EhrenamtlerInnenmangel bei ABqueer eingestellt werden mußte. Im Herbst 2006 konnten wir dann unsere erste große Aktion nach zwei aufreibenden Jahren veranstalten. Zusammen mit AndersARTIG gingen wir auf die LesBiSchwule Tour in Brandenburg. Diese beiden Ereignisse und eine sehr erfolgreiche Mitgliederversammlung gaben die Initialzündung für Motivation und neue Aktionen, die führen sollten, daß wir aufgrund von Platzmangel noch einmal umziehen werden.
2007 - Strukturen festigen. Qualität entwickeln
Was zuvor an neuen Projekten und Aktivitäten hinzugekommen ist, muß nun gefestigt werden. Lambda befindet sich auf einem sehr guten Weg. Natürlich läuft nicht alles reibungslos und hier und da müssen wir auch Mißerfolge hinnehmen. Jedoch haben wir in diesem Jahr viel Kraft und Aufwand in die Festigung unserer Strukturen investiert. Dies ist besonders wichtig um künftige Projekte auf eine solide Grundlage zu stellen. Mit Sorge betrachten wir die immensen Zuwendungskürzungen, die aus der Zeit 2004 - 2006 resultieren und uns für die nächsten Jahre beschäftigen werden. Mit dem Umzug in unsere jetzigen Räume in der Manteuffelstraße 19 haben wir uns die Grundlage geschaffen auch künftig Gruppen und Projekte anzubieten und zu halten. Verstärkt und systematisch haben wir uns dem Bereich Fundraising zugewandt, der für die Zukunft von Lambda (bei sinkender staatlicher Unterstützung) immer mehr an Bedeutung erlangen wird.
2008 - Schuldenfreie Antidiskriminierungsarbeit
Wir sind wieder frei von Schulden! Nach einem fast sieben Jahre dauernden Schuldendienst haben wir alle Altlasten, die uns in der Vergangenheit rund 30.000 EUR leichter gemacht haben nun endlich abgetragen. Die Zeit, da wir uns hauptsächlich mit dem Wiederaufbau befaßt haben ist nun vorbei. Im Mai hat uns unser langjähriger Mitstreiter im Vorstand Christopher Hirschmann verlassen, der sich nun künftig "nur noch" um die technische Verwaltung bei Lambda kümmern wird. ...
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