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Die Rote Schleife

DSDS bringt schwule Taschenikone heraus

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"Deutschland sucht den Superstar"1 ist ja ein viel gesehenes, aber auch viel gehasstes Fernsehmagazin, dass von Musikinterpret_innen vom Fließband profitiert. Nichtsdestotrotz hat eine Show mit solcher Medienwirkung auch etwas Gutes: Wenn queere Sänger_innen wie der androgyne Küblböck, die bisexuelle Elli , die_r transsexuelle Didi oder der schwule Fady mit Migrationshintergrund bundesweit das Publikum verzaubern, ist die Akzeptanz wieder ein Stück vorangeschritten.
Besonders gefallen hat mir an der fünften Staffel (2008) der Moment, als das "Stinktier"2 mit Welpenschutz alias Benjamin Herd von Moderator Marco Schreyl einen dicken, fetten Schmatzer auf die Wange bekommen hat, nachdem er sich in der Show wegen seines Wutausbruchs und seinem Gebrauch von "schwul" als Schimpfwort entschuldigt hat. Solche Momente sind doch ein Genuss, wenn sich unsereins wieder am Nachmittag über pubertäres Prollgehabe ("Boah, was für eine schwule Scheiße!") in der S-Bahn áufgeregt hat.

Den Vogel abgeschossen hat heute Abend allerdings Thomas Karaoglan. Der Taschenchecker rockte die Bühne mit "Y.M.C.A" und zwar in geilster Polizeimontur. Nina "Mein-Ausschnitt-ist-heute-der-Hingucker"3 Eichinger verglich dieses Outfit mit dem eines "Kollegen", dem sie mal auf einer Junggesellinnenparty begegnet war, wobei dieser bestimmt nicht durch Gesangskünste überzeugt hatte...

Natürlich wurde Thomas' Titel wie bei jeder/m Kandidat_in mit einem Kurzvideo eingeleitet, in dem klar wurde: Der Junge hat keinen Plan, was Y.M.C.A bedeutet. Nach dem Auftritt fragte sich das auch die Jury und Bohlen bestätigte Eichinger, dass es sich dabei um die "Young Man Christian Association" handelt (im deutschsprachigen Raum auch als CVJM bekannt). Wikipedia klärt uns dazu auf, dass es sich dabei um eine Organisation handelt, die in karitativer Manier u.a. öffentliche Räume baut, finanziert durch die Einnahmen ihrer Jugendherbergen. Diese sind es auch, die von den Village People lobend besungen werden:

"It's fun to stay at the Y.M.C.A.

You can get yourself clean, you can have a good meal
You can do whatever you feel ..."

Allerdings wären die Village People nicht die Village People wenn da nicht wenigstens ein bisschen queerer Subtext hinter wäre; und tatsächlich offenbart uns das Internet (jaja, wieder Wikipedia) drei Geschichten, wie Bandmitglied Jaques Morali auf den Liedtext kam:

Allen gemeinsam ist, dass Morali die Y.M.C.A. kennengelernt hat, begeistert davon war und es unbedingt in einem Lied verarbeiten wollte. In der ersten Version heißt es, es gab auch eine rosa Y.M.C.A., zu der ihm jemand im Scherz gesagt haben soll: "Aber bück dich nicht in der Dusche."; in der dritten Version heißt es einfach, in den Herbergen der Y.M.C.A. lernen sich Männer kennen und gehen miteinander aus; in der zweiten Version lernt Morali dort viele von Bandmitglied Randy Jones' Freunden kennen (Bekannte von ihm aus der Pornofilmindustrie) und war begeistert, so viele Leute aus Videos und Magazinen zu treffen. Wortwörtlich soll Jones gesagt haben: "Diese Besuche mit mir pflanzten ein Samenkorn in ihm, und so kam er auf die Idee für Y.M.C.A.".

Welcher Version wir also auch glauben, können wir doch sicher sein: So ganz hetero hat Morali es nicht gemeint. Umso schöner ist es dann zu hören, wie Moderator Marco Schreyl zu Thomas meinte, so (gekleidet) wäre es heute Abend für ihn in Köln gefährlich und der nur lachend fragte, wieso.

Klar ist für mich, dass der kleine Checker kei-ne Ahnung hat, was für ein Lied er da gesungen hat. Viele waren zu dieser Zeit (1978) wie Thomas und ich wahrscheinlich auch nur ein Quark im Schaufenster, aber mit fast 17 möchte ein bisschen Musikallgemeinbildung - gerade wer ins Showbusiness geht - wohl sein. Allerdings hätten wir dann vielleicht nicht so eine schöne Showeinlage von Thomas bekommen, der nun bestimmt etwas mehr Post von seinen männlichen Fans bekommt (auch wenn er nicht entblößende Leistungen wie Ninas Junggesellinnenbulle bringt, obwohl das bestimmt noch besser angekommen wäre). Denn wie wir seit Marianne Rosenberg und Madonna wissen, muss eine schwule Popikone nicht zwangsläufig hetero und kann gerne auch armenisch-türkischer Herkunft sein (was bestimmt noch mehr Fans freut) - noch dazu, wenn sie im praktischen Taschenformat ist. Was Oma Gülbahar wohl dazu sagt?


1 Ja, ich gucke es seit ein paar Jahren und ja, ich schäme mich dafür! (Meine Freundin sagt, ich muss - wir haben nur einen Fernseher.)
2 Zitat Bohlen, nicht ich.
3 Ich bin auch nur eine Frau!

P.S.: Ist es fies von mir zu erwähnen, dass Thomas nach diesem Auftritt im Krankenhaus wegen eines Einlaufs war?
 
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