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Die Rote Schleife

Unialltag oder: Erstsemestertüten für alle!

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Letzte Woche wurden wieder Geschenke für die Erstsemester verteilt und mir kam schnell wieder der Senf hoch. Doch zunächst ein einleitendes Vorwort:

Ein Ruf, der mir seit einigen Jahren gegen meinen Willen folgt, ist ja der einer Feministin oder sogar einer militanten1 Feministin. Zwar betone ich gerne meine femininen Züge, halte aber nun nicht allzu viel von Emanzipation, weil

a) wir gleiches Wahlrecht haben,

b) im Falle der sexuellen Belästigung (Mann=>Frau) der Frau eher geglaubt wird,

c) Männer noch lange für die Akzeptanz des Vaterschutzes werden kämpfen müssen und

d) ich nicht Feminstin oder Emanzipistin sein muss, um mich gegen Dinge wie Vaginalbeschneidung zu engagieren.
Dieses weibliche Selbstbewusstsein mag damit zusammenhängen, dass ich unter vier Brüdern aufgewachsen bin (obwohl mir meine "Mädchenschwäche" öfter mal unter die Nase gerieben wurde) und es für meine (beide!) berufstätigen Eltern schon immer selbstverständlich war, dass ihre Tochter keine Hausfrau wird2. So viel zu meiner Position als Autorin.

Nun begibt es sich leider immer wieder, dass mich meine Umwelt Lügen straft und ich besser daran täte, Suffragette zu werden und zwar nicht nur, weil ich auf den Kleidungsstil um 1900 stehe.

Zu Beginn dieses Sommersemesters war der Eingangsbereich der TU-Mensa wieder belagert von sommerlichen Weihnachtsmännern und -frauen: In Scharen versammelten sie sich, um die Erstis mit Werbegeschenken im Unileben zu begrüßen. Als Drittsemester ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, auch eine solche Tüte mit Zeitschrift, Pflegecreme und Müsliriegel abzugreifen. Aus Erfahrung klug geworden, bestand ich allerdings vehement auf die "Männertüte", denn: Während bei den männlichen Studierenden eine natürliche Wissensgier unterstellt und die "Welt der Wunder" angeboten wird, erhalten die weiblichen Studierenden, na, was? Die "maxi", richtig. Mit den besten Tipps für die Haut, über "Diät-Stalking" und den neuesten Fashiontrend über den "Fifty-Stil". Lassen wir diese Erkenntnis und ihre Aussage kurz auf uns wirken...

Ich möchte an dieser Stelle nicht in wütende Schimpf- und Hasstiraden über die Missachtung meiner Persönlichkeit als Frau3 durch die Campustüte ausbrechen. Das sei den militanten Feministinnen und Feministen überlassen. Stattdessen möchte ich sogar Partei für die Werbeträger ergreifen: Wahrscheinlich ist die Mehrheit der "maxi"-Leserschaft tatsächlich weiblich, wie vielleicht die der "Welt der Wunder"-Leserschaft männlich sein könnte. Erwähnt sei hier nicht, dass die Verlage durch ihre zielgruppengerichtete Werbung selbst daran schuld sind (bzw. es bei der maxi bestimmt durchaus wollen), dass die PackerInnen der Campustüte auch als Gegenstück zur "maxi" einfach die "FHM" hätten nehmen können (Sexualitäten natürlich ignorierend) oder dass eine technische Zeitschrift an der Technischen Uni Berlin für alle Studierenden (meist Ingenieur_innen) einfach sinnvoller gewesen wäre. Das sei hier nicht erwähnt, darauf sollen die mal schön selber kommen.

Betrachten wir den Tüteninhalt abschließend noch etwas genauer: Neben der paritätisch verteilten Tütensuppe, dem Salatdressing, der Banken-, Handynetz- und Autoverleihwerbuung (hä? Studis?), der geschlechtsspezifischen Cremeprobe sowie der obligatorischen Batteriesammelumweltbox (yeah!) finden wir in diesem Semester für Männer neuerdings eine Extraausgabe der Süddeutschen über Uni & Job und für Frauen, äh, ... "Life&Style".

...

Ich weiß ja, dass in Süddeutschland der Hausfrauenstatus durchaus noch mehr Verbreitung findet als hier oben, aber das schlägt dem Fass doch den Boden aus! Allerdings ist die Albawerbung wieder bei beiden drin; das nenne ich wiederum Inkonsequenz. Und da fragen mich die Leute, warum ich mich mit meiner Geschlechterrolle nicht indentifizieren mag. 'Ungefähr' weiblich trifft es manchmal einfach besser.

Nun sollten den harten Worten natürlich aktive Taten folgen und wie schon letztes Semester werde ich meinen obligatorischen Senf auf allcampus.de hinterlassen - schließlich haben sie sogar danach gefragt. Mit einer einzelnen Stimme der Kritik lässt sich allerdings gewiss nicht viel bewegen und ich kann niemanden zwingen, mit einem Massenaufgebot an Feedbackmails irgendjemanden zusammenzustauchen.

Aber ich kann euch mal den Link dalassen ;).


1 Zugegeben: Ich möchte zwar gerne mal mit einer Feuerwaffe schießen, aber nicht auf Menschen. Zumindest nicht auf solche, die es nicht verdient haben.

2 Und trotzdem Kinder hat, aber das ist eine andere Geschichte.

3 Wir betrachten hier das Modell der Zweigeschlechtlichkeit.



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