Liebe zwischen Mädchen
Liebe... kann ein tolles Gefühl sein. Ihr schaut euch in die Augen, und es fängt überall an zu kribbeln. Die meisten haben das schon einmal erlebt: „Die sind doch total verknallt! Klare Sache: Bei denen hat es gefunkt.“ Nicht mehr ganz so klar ist die Sache, wenn zwei Mädchen oder Frauen zusammen sind: Sind das jetzt „beste Freundinnen“? Ist das Liebe? Oder auch beides irgendwie? Wie sieht das eigentlich aus: Liebe... zwischen Mädchen? Was sagen Freundinnen und Freunde? Wie reagieren die Eltern?
Hier wollen wir versuchen dir ein paar Antworten zu geben:
Liebe ist... ein Rausch der GefühleWie lerne ich als Mädchen andere Mädchen kennen?
Aber woher weiß ich, ob sie auch auf Mädchen steht?
Muss ich wie ein Junge aussehen, um auf Mädchen stehen zu dürfen?
Ich weiß einfach nicht, ob sie auch Mädchen mag
Muss ich es ihnen sagen?
Wie sage ich es ihnen?
Was ist, wenn ich noch Jungs mag?
Wie machen Mädchen eigentlich Liebe?
Wie verhüte ich richtig?
Liebe ist ... ein Rausch der Gefühle
Bei der besten Freundin übernachten, sich im Arm halten und sogar küssen – die meisten denken sich da nicht viel bei. „So sind die Mädchen eben. Der „Richtige“ wird schon noch früh genug kommen.“ Oder auch nicht. Vielleicht hast du gar keine Lust, auf den „Richtigen“ zu warten. Vielleicht hast du dich schon mit Haut und Haaren in deine Nachbarin verliebt. Oder in eine Lehrerin.
Die Liebe kann eine ganz schöne Berg- und Talfahrt sein: im einen Moment total high und glücklich, wenn sie gerade den Arm um deine Schultern gelegt hat. Frust, wenn es irgendwie wieder überhaupt nicht läuft. Dann der Gedanke: „Vielleicht ist nur noch nicht der Richtige aufgetaucht. Da stimmt doch was nicht mit mir.“ Totaler Quatsch! Liebe und Verliebtsein sind toll, da gibt's kein Richtig oder Falsch. Liebe ist in Ordnung. Und wenn zwei auch noch dasselbe wollen - umso besser.
Und wenn du dich gut fühlst dabei, muss ein Versteckspiel wirklich nicht sein. Liebe und Verliebtsein sind schließlich tolle Gefühle und andere machen aus ihrer Liebe ja auch kein Geheimnis.
Wie lerne ich als Mädchen andere Mädchen kennen?
Füreinander da zu sein, über alles reden zu können, streicheln, kuscheln und Sex - ist zwar in der Fantasie schon ganz schön, aber eigentlich gehören dazu mindestens zwei. Um eine Freundin zu finden, die sich das Gleiche wünscht wie du, reicht es meistens nicht, einfach zu warten. Wir können Liebe zwar nicht erzwingen, aber wir können es ihr leichter machen, uns zu finden.
Wenn du andere kennenlernen möchtest, bei denen du ganz sicher gehen möchtest, dass sie auch auf Mädchen stehen, gibt es bestimmte Orte. Da gibt es die „Szene“: nicht-heterosexuelle Clubs, Partys und Vereine, wo du Gleichgesinnte triffst. Doch nicht immer ist die Tanzfläche der beste Platz zum Flirten. Stattdessen kannst du dir aber zum Beispiel
- eine Jugendgruppe in deiner Nähe suchen (über Lambda oder so über Google ),
- Sportvereine wie Vorspiel e.V. , Seitenwechsel e.V. , Fußballvereine allgemein,
- Frauenzentren (nicht nur mit Jugendangeboten),
- das Internet:
o www.gorizi.de (mehr für Mädchen als für Frauen)
o www.lesarion.de (Profil einrichten und losschatten oder Frauen in deiner Nähe suchen und direkt anschreiben)
Und du kannst sie natürlich irgendwo ansprechen.
Aber woher weiß ich, ob sie auch auf Mädchen steht?
Nun steht es uns ja nicht auf die Stirn geschrieben, auf wen wir so stehen. Es gibt aber einige Hinweise, wie du einer anderen ansehen kannst, ob sie nicht-hetero ist. Diese Hinweise kannst du auch selbst an dir verteilen, um andere auf dich aufmerksam zu machen ;).
Ein ganz eindeutiges Symbol ist die Regenbogenfahne. Sie steht für Vielfalt, mit sechs Farben und Rot als oberste Farbe steht sie für sexuelle Vielfalt, speziell für Bi- und Homosexualität. Es gibt sie als Buttons (fast überall erhältlich), als Anstecker oder auch als Schlüsselanhänger (im Internet oder auf CSDs oder Szenestadtfesten erhältlich). Für Bisexualität gibt es übrigens eine eigene Flagge. Warum es die gibt, lest ihr weiter unten .
Außerdem klar zu erkennen ist das weibliche Geschlechtersymbol. Das einzelne Geschlechtssymbol steht eigentlich für den Venusplaneten, der nach der römischen Göttin der Liebe, Schönheit und des Begehrens benannt ist; und diese Göttin ist ja bekanntlich die Göttin der Frauen wie Mars der Gott der Männer ist.
Nicht ganz so bekannte, aber auch verbreitete Symbole sind
- die Labrys (die Doppelaxt, wie sie die Amazonen benutzten), die es als Anhänger gibt,
- der griechische Buchstabe λ (Lambda), nach dem wir auch unseren Verein benannt haben ,
- zwei Hände, die ein Dreieck formen (steht für eine Vulva),
- der Begriff „Dyke“.
Viele glauben auch, der rosa Winkel sei ein Symbol allgemein für Homosexualität, eigentlich ist er das aber nur für Schwule und Bisexuelle (die damals ebenso als schwul angesehen wurden). Wer sich zur Nazizeit nach § 175 strafbar gemacht hat, wurde verhaftet und schlimmstenfalls in ein Konzentrationslager gebracht, wo ihm der rosa Winkel angeheftet wurde. Der Paragraf galt aber nur für männliche Homosexualität. Mit lesbischen Frauen hatte der Nationalsozialismus zwar auch ein Problem, konnte sie aber rein rechtlich nicht belangen. Stattdessen wurde ihnen "volksschädigendes" Verhalten vorgeworfen (schließlich trugen sie nichts zur "Fortpflanzung des Ariers" bei) und sie wurden mit einem schwarzen Winkel inhaftiert, der sie als "asozial" stigmatisierte.
Vielleicht hast du schon einmal von dem Klischee einer typischen Lesbe gehört: Das seien besonders maskuline Frauen, die gar nicht die Aufmerksamkeit von Männern wollen. Stimmt das überhaupt? Ja und nein. Es gibt bestimmte Merkmale, an denen nicht-heterosexuelle Frauen sich erkennen lassen, allerdings gehört da ein bisschen mehr zu als nur männlich auszusehen.
Erstmal gibt es eine bestimmte Frisur, auch gerne Lesbenkurzhaarschnitt genannt und etwas kürzer als der Pagenschnitt ist. Was früher Holzfällerhemden und lila Latzhosen waren, sind heute Augenbrauenpiercings und Polohemden. ABER: Wie das mit Vorurteilen nun mal so ist, treffen sie (wenn überhaupt) nur auf einen bestimmten Teil einer Gruppe zu: Diese Merkmale, die eine Frau „butchig“,also lesbisch-maskulin, machen, treffen bei Frauen (geschätzt) zu 30 % zu, bei Mädchen gerade mal zu 10 %. Anders gesagt: Vielen Frauen kannst du ihre Sexualität einfach nicht ansehen. Manchmal geben dir Symbole wie die oben einen Hinweis, aber manchmal hilft auch einfach nur nettes Nachfragen nach einem Freund oder einer Freundin.
Muss ich wie ein Junge aussehen, um auf Mädchen stehen zu dürfen?
Nein, absolut nicht! Ein allgemeiner Trugschluss vieler Heterosexueller ist: Jede, die so aussieht, ist lesbisch – und deswegen sieht jede Lesbe so aus. Oder anders gesagt: Nur weil man Hella von Sinnen (die wir alle mögen, sei hier gesagt) ansehen kann, dass sie lesbisch ist, müssen nicht auch Lucy Diakowska , Vera Int-Veen , Ulrike Folkerts , Maren Kroymann und Anne Will so aussehen.
Auch immer mehr Mädchen wissen: Es ist Unsinn, dass sie so etwas müssen. Wenn ich entdecke, dass ich nicht (nur) auf Männer stehe, bin ich immer noch dieselbe und muss nicht plötzlich meinen Stil ändern. Vielen von uns ging es zum Anfang ihres Coming-outs so: Wenn ich als Mädchen keine Mädchen lieben darf, darf ich es vielleicht als Junge… Wir stellen unsere Identität in Frage, weil wir unsere Sexualität nicht in Frage stellen wollen. Das sind aber zwei Paar Schuhe: Wie du dich kleidest und deine Haare trägst, hat rein gar nichts damit zu tun, wen du liebst. Und wenn du gerne wie ein Junge aussiehst, sagt das auch noch nichts über deine Gefühle für andere aus.
Lesbische Mädchen wollen auch nicht unbedingt Jungs sein, wie manche vielleicht behaupten. Es gibt aber statistisch gesehen mehr Transjungs, die früher mal lesbisch waren, anstatt Transjungs, die früher mal hetero waren. Das liegt einfach daran, dass Heterosexualität häufiger vorkommt als Homosexualität, wenn wir mal von zwei Kategorien ausgehen. (mehr lesbische Mädels => also eigentlich mehr heterosexuelle Transjungs und umgedreht)
Geht es auch einfacher? (Ich weiß einfach nicht, ob sie auch Mädchen mag)
Klar ;). Du kannst sie auch einfach anflirten, ihr ein Kompliment machen und ihr eindeutig anbieten, dass du gerne mit ihr mal etwas trinken oder ausgehen möchtest. Wenn sie das nicht möchte, wird sie es sagen und wenn sie nicht auf Mädchen steht, wird das wahrscheinlich auch ihre erste Begründung sein. In diesem Fall kann es sein, dass sie heftig reagiert und schockiert oder (leider ist das auch möglich) angeekelt wirkt. Das ist jetzt sehr schwarz gemalt, aber das ist möglich und deshalb solltest du es wissen. Dann heißt es nämlich: Keep cool! Du solltest in so einer Situation einen kühlen Kopf bewahren. Für die Angebete ist die Situation befremdlich und vielleicht erschreckend. Trotzdem ist es nicht schön, so zurückgewiesen zu werden, wenn ein einfaches „Nein, danke.“ gereicht hätte – und genau das kannst du ihr sagen! Du würdest Jungs, die dich anflirten (hoffentlich) auch nicht so behandeln, sondern ihnen nett klarmachen, dass sie keine Chance bei dir haben; und genauso eine Reaktion wäre auch gegenüber Mädchen höflich, die andere Mädchen anflirten. Schließlich wolltest du ihr schmeicheln und sie nicht bedrängen oder zu irgendetwas zwingen. Du kannst ihr klarmachen, dass du schließlich nicht wissen konntest, wen sie mag – und es ja irgendwie auf nette Weise herausfinden musstest.
Eltern
Muss ich es ihnen sagen?
Wie sage ich es ihnen?
Was ist, wenn ich auch noch Jungs mag?
Sex & Verhütung
„Sex zwischen Frauen? Was wollen die im Bett schon zusammen machen?"
Über diesen dummen Spruch können verliebte Mädchen und Frauen nur lachen. Angesagt ist alles was sich
gut anfühlt, egal ob wild oder zärtlich. Aber wie genau "geht" lesbischer Sex denn nun? Was gibt es alles und was machen die meisten?
Was Heterosexuelle unter Miteinanderschlafen (Sex, Poppen, F... na, ihr wisst schon) verstehen, hat leider kein richtig beschreibendes Wort, weil alle irgendwie wissen, was gemeint ist. Bei dem, was Lesben und lesbisch Liebende unter Miteinanderschlafen verstehen, gibt es genau dasselbe Problem. Aber wir können es ganz medizinisch ausdrücken: Was für die Einen "das rhythmische Eindringen des Penis in die Vagina" ist, ist für die Anderen "das Stimulieren der Klitoris durch den Finger" - nur eben nicht bei sich selbst, sondern bei der Geliebten. Dass das aber weit mehr als "nur" gegenseitige Masturbation ist, können euch seeehr viele Frauen freudig bestätigen ;). Gleichzeitiges, gegenseitiges Stimulieren geht natürlich auch, idz aber anstrengendrt. Deswegen gibt es oft so etwas wie eine Passive und eine Aktive beim Liebesspiel, aber im Gegensatz zu schwulem Sex ist keine dauerhaft eins von beidem. Nur geben ohne zu bekommen kann auf Dauer schließlich frustrierend sein.
Ein weiterer wichtiger Teil vom lesbischen Sexualleben ist Oralverkehr oder Lecken. Das ist das Stimulieren der Klit und der Schamlippen mit der Zunge. Es ist schwer zu sagen, ob die meisten mehr Oralverkehr oder mehr Geschlechtsverkehr (also Klitstreicheln) haben, weil es auf die Frau ankommt, wie empfindsam sie ist und was sie besonders mag.
Was es noch gibt, ist das Fingern, also das Eindringen eines Fingers in die Scheide. Im Gegensatz zu den Vorurteilen und Fantasien einiger Idioten ist das aber nicht Dreh- und Angelpunkt des Sexuallebens, sondern mehr eine nette Zusatzpraktik, die den Orgasmus unterstützen kann, ihn aber nicht maßgeblich auslöst. Ein lustiges Vorurteil unter Heteromännern ist: "Lesbischer Sex ist nur Vorspiel." Lustig ist es deswegen, weil wir im Grunde dasselbe über heterosexuellen Sex sagen können. Aufgeklärte Leute wissen aber, dass das beides sehr verallgemeinerte Ansichten über die jeweils andere Partei ist und jede Sexualität ihre Vorzüge und Nachteile hat.
Du hast vielleicht auch schon davon gehört, dass Frauen untereinander Spielzeug benutzen. Das gibt es und mittlerweile sogar so ausgereift, dass beide körperlich Spaß haben (mal ganz davon ab, was sich im Kopf abspielt). Achtung, persönliche Meinung: Diese Dinger sind allerdings ziemlich groß und ziemlich teuer.
Die Vagina ist zwar ein Muskel, braucht aber trotzdem einige Übung, um sich größeren Körperteilen anzupassen. Deswegen empfehlen Hebammen übrigens auch Fisten (quasi Fingern mit der ganzen Faust) zur Geburtsvorbereitung, was aber eben viel Dehnung und Herantasten erfordert und nicht von heute auf morgen geht. Deswegen verspüren viele Frauen bei ihrem ersten (heteosexuellen) Mal auch Schmerzen beim Eindringen des Mannes, manche sogar noch einige weitere Male. Außerdem sind manche nunmal enger gebaut als andere. Das ist ein "Vorteil" beim lesbischen Sex: Die Hand kann sich der Geliebten anpassen, je nach dem, wie entspannt und erregt sie ist, und gegebenenfalls nur einen statt mehreren Fingern verwenden.
Wie geht denn lesbischer Safer Sex?
In der Schule lernen wir nur, dass Kinder mit der Pille und Krankheiten mit dem Kondom verhütet werden. Um Ersteres müssen wir uns glücklicherweise nicht viel Gedanken machen - noch ein kleiner Vorteil ;) - aber um Zweiteres sehr wohl. Es reichen manchmal schon kleine Verletzungen im Mund oder an der Hand, in die Blut gelangt. Gerade wenn du ständig wechselnde Sexpartnerinnen hast oder auf einen One-Night-Stand aus bist, solltest du Folgendes beachten:
- Schmuck, speziell Ringe, immer ablegen!
- Fingernägel ab! Lange Nägel sind zwar schön zum Kraulen, können aber äußere und (starke) innere Verletzungen verursachen, wenn's zu heiß hergeht, und somit das Infektionsrisiko erhöhen.
- Beim Lecken ein Dental Dam/Lecktuch (ein Latextuch, das über die Scheide gelegt wird) und beim Klitstreicheln/Fingern Handschuhe oder Fingerlinge verwenden. Lesbische Verhütungsmittel kannst du in den meisten Apotheken oder im Internet bestellen, die dann neutral verschickt werden. Statt eines Dental Dams kannst du auch ein Kondom nehmen und längs aufschneiden.
- Kein Sex während der Menstruation oder Dental Dam/Lecktuch und Handschuhe/Fingerlinge verwenden!
- Achtet darauf, dass keine Bakterien aus dem Analbereich in den Vaginalbereich gelangen. Wenn ihr Spielzeug vielseitig benutzt, nehmt am besten Kondome.
In&Out - Coming-out-Beratung
Wenn du Fragen hast oder dir Rat holen willst, kannst du dich jederzeit an unser Beratungsprojekt In&Out wenden. Die Beratung wird von Jugendlichen gemacht, die eine spezielle Ausbildung zum Berater bzw. Beraterin absolviert haben und die dir jede Frage gern beantworten und dich unterstützen. Die Berater_innen sind selbst junge Lesben, Schwule und Bisexuelle, die aus eigener Erfahrung gut wissen, wie das mit dem Coming-out läuft und wie schwierig das auch sein kann. Du bist nicht allein. Die Beratung kann per E-Mail, Telefon oder auch persönlich stattfinden, das kannst du selbst entscheiden. Eine E-Mail kannst Du uns jederzeit schicken und wir antworten dir, so schnell es geht.
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