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Berlin-Brandenburg e.V.

Die Rote Schleife

Pressemitteilung Nr. 4 - Aufklärung an Schulen - ein weiteres Tabuthema...

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- 16.10.2007 - ...wird zum landestypischen Politdrama über bürgerliche Initiativen, sensationshungrige Medien und dem Verlangen nach Emanzipation
 
Anfang dieses Jahres entwickelte das Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM) in Zusammenarbeit mit dem Schulaufklärungsprojekt von ABqueer e.V. eine Handreichung mit Unterrichtsmaterialien über gleichgeschlechtliche Lebensweisen für LehrerInnen an den weiterführenden Berliner Schulen. Angesichts der zahlreichen Fälle von homophober Gewalt gegen Jugendliche sind die Unterrichtsvorschläge längst notwendig gewesen. Allerdings resultierte die gesamte Aktion ins Gegenteil, denn die BZ, eine Berliner Boulevardzeitung, bewies durch journalistische Intransparenz und Oberflächlichkeit, wie man die Glaubwürdigkeit einer so wichtigen Initiative unterminieren kann. Am 26. Juni dieses Jahres veröffentlichte die BZ einen Artikel mit dem verheißungsvollen Titel "Geht das nicht zu weit? - Schwule Rollenspiele an Berliner Schulen". Inhalt dieses Artikels war die oben genannte Handreichung zur Aufklärung über gleichgeschlechtliche Lebensweisen. Besonders plakativ wurde dort auf ein Rollenspiel eingegangen, in dem die SchülerInnen sich in die Lage eines jungen Schwulen hineinversetzen sollen; ein einziges Beispiel von einer 200 Seiten starken Handreichung sollte nun für Aufruhr sorgen. Laut einer Aussage der Bildungsbeauftragten der FDP, Mieke Senftleben, Mitglied des Abgeordnetenhauses, seien die Schüler noch zu jung für diese Art von Aufklärung. Laut den Autoren soll das besagte Rollenspiel provokant auf SchülerInnen wirken und sie damit zum nachdenken anregen.
 
Dieser Hintergrund scheint jedoch JournalistInnen und namhaften Tageszeitungen wie zum Beispiel der BZ nicht überzeugend genug zu sein. Sie zitierten Mieke Senftleben folgendermaßen: "Ich halte solche Themen gegenüber Jugendlichen für völlig daneben". Woraufhin der Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner (SPD) plötzlich selbst die Inhalte dieser Handreichung für hinterfragenswert hielt und versprach, den „saloppen Sprachgebrauch“ zu überarbeiten. Nicht zu übersehen ist dabei der Hintergrund, eher das Abgeordnetenhaus und die Medien zu beruhigen als die Publikation aus eigener Motivation in Frage zu stellen. Merkwürdigerweise stellte sich dann in einem Exklusivinterview mit Mieke Senftleben, heraus, daß dieselbe das weder so gesagt noch gemeint habe.
 
Der Kernpunkt der gesamten Debatte ist jedoch, daß wir wollen, daß Jugendliche innerhalb der Schule verstärkt zu verantwortlich denkenden Menschen herangezogen werden und sich mit der Thematik der gleichgeschlechtlichen Lebensweisen auseinandersetzen. Ziele dieser Aufklärung sind unter anderem, Verständnis und Akzeptanz gegenüber anderen Lebensweisen zu entwickeln und damit auch einen erheblichen Beitrag zur Einschränkung der Gewaltbereitschaft unter SchülerInnen zu schaffen. Was wir Eltern, Lehrer, Angehörige von Opfern und vor allem, was wir Jugendlichen wollen, ist eine Lern- und Lebensatmosphäre an Schulen, welche nicht von permanenter Diskriminierung, Gewalt, Bedrohung und psychischer Belastung geprägt ist.
 
Die Umsetzung solch fortschrittlicher Ansätze zur Verbesserung der Lebensqualität an Berliner Schulen wird dadurch nicht besser, daß PolitikerInnen keine klare Position beziehen können, wie etwa Mieke Senftleben oder nicht zu ihren eigenen in Auftrag gegebenen Veröffentlichungen stehen können, wie Prof. Dr. Zöllner.
 
Wenn die Berliner Politik sich tatsächlich so sehr für Akzeptanz und Aufklärung unter Jugendlichen einsetzt, wie sie immer wieder vorgibt, dann sollte sie weiterhin daran arbeiten und dazu stehen und sich nicht in verstimmenden überflüssigen Medieninterventionen profilieren.

 
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